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LEBENSRAUM BAUERNHOF

HOFÜBERGABE MIT HERZ UND HIRN von Karin Trummer

Während auf der einen Seite viele Höfe aufgelassen werden, gibt es auf der anderen Seite immer mehr junge Menschen, die eingehend nach Lösungen suchen, den elterlichen Hof als Lebens- und Arbeitsplatz zu erhalten. Durch die Möglichkeit der freien Berufswahl unserer heutigen Zeit, arbeiten viele Nachkommen aus bäuerlichen Familien in verschiedenen Berufssparten, fern ab von der Landwirtschaft. Das „Bauer“ sein rückt somit immer mehr in den Hintergrund und wird nur mehr in Nebentätigkeit einher mit den beruflichen Alltag gelebt. Der Schritt von einer gesicherten Berufstätigkeit zurück zum landwirtschaftlichen Haupterwerb ist unbestritten ein Risiko und den Hof vertrauensvoll in die Hände der Jüngeren geben, heißt nicht zuletzt auch selbst ein Stück zurücktreten, um den Jungen für die Verwirklichung ihrer Ideen Raum zu geben. Um zu ergründen, was es letztendlich ausmacht, diesen großen Schritt zu wagen und welche Ziele sich die jungen, angehenden Landwirte setzen, habe ich mich auf den Weg gemacht und zwei von Ihnen mit unterschiedlichen Herangehensweisen interviewt.

Mein erster Weg führte mich zur Familie Passath in St. Ruprecht a.d. Raab, einem Erbhof in dritter Generation. Beide Söhne, Hans-Peter, 24, und Lukas, 17, leben zu Hause und gehen, wie auch der Vater Johann, 55, einem Beruf nach. Was vor zwei Generationen als Schweinezucht und Mastbetrieb zur alleinigen Einkommensgrundlage diente, wird von der Familie heute nur mehr als Nebenerwerb bewirtschaftet. Neben dem Anbau von Mais, Gerste, Weizen und Kürbis, setzt der Vater weiter auf die Zucht und Mast der Schweine. Der ältere Sohn, Hans Peter, hat sich jedoch vor einigen Monaten dazu entschlossen, neue Wege zu gehen und einen mobilen Hühnerstall der Marke „Vitafarm Pultdach“ mit 250 Legehennen auf der Wiese hinterm Hof platziert.

 

Redaktion: Herr Passath, wie finden Sie die Idee Ihres Sohnes, einen mobilen Hühnerstall am Hof in Betrieb zu nehmen?

Johann Passath sen.: Ich habe die Landwirtschaft von meinen Eltern übernommen, die vorwiegend Rinderzucht betrieben haben. Und so wie ich seinerzeit auf Schweinemast umgestellt habe, lasse ich auch meinem Sohn die freie Wahl, zu entscheiden. Der Hof hat in all den Jahrzehnten viele Veränderungen erlebt und mit sich gebracht, auch technisch und maschinell. Trotzdem ist die persönliche Pflege von Feld und Tier immer noch das Wichtigste. Ich bin sehr froh, dass meine Söhne, die beide arbeiten gehen, die Landwirtschaft zusammen mit mir erhalten.

Redaktion: Hans-Peter, warum hast Du Dich zu diesem Schritt entschieden?

Hans-Peter: Für mich war es von Anfang an wichtig, dass ich die Landwirtschaft vorerst als Nebenerwerb betreiben kann. Ein Mastbetrieb beansprucht viel Zeit. Das ist bei den Legehennen etwas überschaubarer. Also habe ich mich zuerst ausführlich informiert. Herr Iber hat mir hier mit seinem Fachwissen sehr geholfen und letztendlich war es auch eine Budgetfrage. Ich wollte erst einmal im kleineren Rahmen beginnen und schauen, wie es sich entwickelt. Bei 250 Legehennen war das Risiko gering und den mobilen „Vitafarm Pultdach“ Hühnerstall konnte ich flexibel platzieren – quasi für meine Hühner immer nur die Sonnenseite!

Redaktion: Ein paar Monate sind nun vergangen. Ich bin neugierig, wie läuft´s?

Hans-Peter: Eigentlich sehr gut. Natürlich helfen mir mein Vater und mein Bruder hier und da, aber die  Vermarktung der Eier habe ich selbst übernommen. Heute beliefere ich die regionalen Nahversorger in der Umgebung, wie zB. Spar, ADEG und Uni-Markt mit 10er und 6er Packungen Freiland-Eiern und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Redaktion: Wie sehen Deine Ziele aus?

Hans-Peter: Langsam und stetig wachsen. So 1000 Legehennen und noch ein mobiler Stall wären schon super. Ich will aber die Eier weiterhin selbst vermarkten. Natürlich und lebenswert soll es für meine Hendln bleiben. Ich möchte keine Masse, sondern setze ganz klar auf Qualität. Ich liebe meine Arbeit am Hof und das ich mir die Zeit selbstständig einteilen kann. Wenn ich also eines Tages ganz davon leben könnte, wäre das für mich genau das Richtige. Und solange wir als Familie zusammen helfen, bin ich mir auch sicher, dass es klappt.

Redaktion: Und was wünscht sich der Vater für die Zukunft?

Johann Passath sen. ... lacht: Ich persönlich wünsche mir jetzt nur noch eine nette Schwiegertochter. Und wenn sie gerne kocht oder selber Nudeln machen kann, wäre das einfach spitze. So ein paar spezielle, selbstgemachte Produkte ab Hof wär ja für die Zukunft nicht schlecht.

 

Mit einem Schmunzeln verabschiede ich mich dankend für das nette und offene Gespräch. Von Hans Peter bekomme ich noch ein paar frische Freiland-Eier mit auf dem Weg für´s Sonntagsfrühstück und weiter geht´s auf meiner Tour nach St. Oswald bei Plankenwarth zum Bio-Hof Haider.

Inmitten hügelig-steirischer Idylle liegt der Hof unseres Partnerbetriebes der Familie Haider. Schon die Anfahrt ist ein Genuss, denn entlang der Zufahrtsstraße herrscht mit ca. 4800 Bio Masthühnern reges Treiben auf der grünen Wiese vor der alten, aber sehr gepflegten Stallanlage. Munter hüpfen die weiß gefiederten Tiere durch das Gras. Schaut man etwas weiter den Hang hinunter, erblickt man sofort den neuen, modernen Stall, in dem weitere zwei mal 4800 Bio-Henderln untergebracht sind. Und über die gesamte Hofanlage hat man einen tollen Blick auf das Schloss Plankenwarth, das auf dem Berg gegenüber thront.

 

Am Stall vorbei, am eigentlichen Wohnhaus der Familie angekommen, lacht uns ein großer Holzstorch entgegen. Melina heißt der kleine Familienzuwachs, der gerade einmal vier Wochen alt ist. Wir werden schon freudig erwartet. Nach einer kurzen, herzlichen Begrüßung sitzen wir mit Hr. Haider sen. (seine Frau Monika ist leider krank), seinem Sohn Thomas, dem neuen Junglandwirt, dessen Frau und der kleinen Melina gemeinsam am Küchentisch bei Kaffee und Kuchen.

Herr Haider beginnt sofort über die Geschichte des Hofes zu erzählen. Seine Urgroßeltern, die aus Böhmen stammten, bewirtschafteten den Hof als Pächter der Schlossbesitzer und 1907 kauften sie ihn. 1971 übernahm er den Erbhof von seinen Eltern, der vorwiegend mit Milchkühen, Rinderzucht, ein paar Hühnern und Ackerbau betrieben wurde.

Er war Mitglied des legendären Edelweiß-Echos und Dank seiner Leidenschaft zur Musik, mit der er ein fixes Zubrot sichern konnte, betrieben er und seine Frau als Vollzeit-Landwirte bis 1989 den Hof. Die Geburt der vier Kinder und die Ungewissheit, ob es für die Zukunft reichen wird, führten dazu, dass er seine Musikanten-Tätigkeit beendete und bei der Firma Sappi anfing zu arbeiten, wodurch die Landwirtschaft zum Zuverdienst wurde. Man suchte nach Möglichkeiten der Entlastung, verpachtete Grund, stellte Pferde ein. Aber das alles war nicht einfach und teilweise auch mit sehr viel Ärger verbunden. So kam 2003 der Moment, wo es galt, umzudenken. Nach Kontaktaufnahme und einigen Gesprächen mit Walter Iber sowie Verantwortlichen der Landwirtschaftskammer wurden im September 2004 erstmals Junghennen zur Zucht im ehemaligen Rinderstall eingestellt. Die Haiders wurden landwirtschaftliche Partner der Fa. Lugitsch und schon kurz darauf erfolgte die Bio-Zertifizierung. 2009 wagten sie sich sogar wieder in die Selbständigkeit mit der Erweiterung zum Bio-Mastbetrieb. Herr Haider sen. hält kurz schmunzelnd inne und bezeichnet seine Frau als treibende und überzeugende Kraft in alledem.

2014 dann der Wendepunkt – die Haiders beschließen, sich in den Ruhestand zurückzuziehen. Ein schwerer Schritt, denn die Nachfolge am Hof war bis zu diesem Zeitpunkt völlig ungeklärt. Das Fortbestehen stand jetzt auf der Kippe, die Kinder waren groß, hatten selbst Familie und ihr eigenes Leben, andere Pläne für die Zukunft, einen Beruf.

 

Die Landwirtschaft nebenher – das war nicht machbar, für keines der vier Kinder. Es war nicht einfach, viele Gespräche gingen einher. Und als der Verkauf der Landwirtschaft schon fast spruchreif wurde, fasste sich der zweitälteste Sohn Thomas ein Herz und warf die Hofübernahme noch einmal in den Raum.

Thomas, der bis dahin als Schlosser bei der Fa. Siemens auf der ganzen Welt tätig war, nahm sich Zeit, informierte sich eingehend und gründlich bei der Kammer und suchte, wie schon seine Eltern zuvor, Rat bei Walter Iber, der ihn ebenfalls von den Vorteilen der landwirtschaftlichen Partnerschaft mit der Fa. Lugitsch überzeugen konnte. Auch rechtlich war einiges zu klären, immerhin waren da noch drei Geschwister, die Erbansprüche hatten. Und keines der Kinder sollte sich benachteiligt fühlen. Das war den Eltern sehr wichtig. Der Zusammenhalt der Familie siegte und 2015 fand man eine zufriedenstellende Lösung für alle.

 

Redaktion: Thomas, seinen Beruf aufzugeben und sich ganz der Landwirtschaft zu verschreiben ist durchaus ein Risiko. Wie bist Du an die Sache herangegangen?

Thomas: Es war in der Tat keine leichte Entscheidung. Ich war glücklich in meinem Beruf, lernte die Welt kennen. Aber Daheim ist Daheim und in der Landwirtschaft zu helfen, hat mir als Kind schon immer viel Spaß gemacht. Die Vorstellung, den Platz, wo man seine gesamte Kindheit verbracht hat, mit einem Schlag aus der Hand zu geben, das war meine erste Motivation, eine Lösung zu finden. Mir war aber auch klar, dass ich investieren musste, um langfristig finanziell bestehen zu können. Ein gutes Einvernehmen mit meinen Geschwistern war mir ebenfalls sehr wichtig. Und so haben wir uns an einen Tisch gesetzt, abgewogen, offen diskutiert und eine Lösung gefunden. Ich habe mir auch vergleichbare Betriebe, auf Anraten von Walter Iber, angeschaut, sorgfältig ein Finanzkonzept erstellt, viele Für und Wider abgewogen und von Beginn an überall selbst Hand mitangelegt.

Redaktion: Hattest Du auch ab und an schlaflose Nächte?

Thomas: Ja, da gab es schon die eine oder andere Nacht, Überlegungen, die einen ständig beschäftigen. Eines stand für mich aber von Vornherein fest, wenn, dann nur als Vollzeitlandwirt. Alles andere kam nicht in Frage. Walter hat mir in dieser Zeit sehr geholfen, er und die Firma Lugitsch waren von Anfang an echte Partner. Das gab mir Sicherheit, wie auch die Tatsache, meine Frau und meine Eltern zu 100 %hinter mir zu wissen.

Redaktion: Kamen Dir in der aktiven Umsetzungsphase einmal Zweifel?

Thomas: Nein, als wir mit dem Bau des neuen Maststalls begonnen haben, war ich so im Geschehen eingebunden, dass zum Verschnaufen nicht viel Zeit blieb. Den Bau habe ich selbst mitkonzipiert und darauf geachtet, dass ich die Halle bei Bedarf später auch für andere Nutzungszwecke aktivieren kann. Das ist wichtig, denn man weiß nicht, wie sich die Zeiten verändern und große Investitionen muss man heutzutage auf langfristig planen.

Redaktion: Was war Dein bewegenster Moment?

Thomas: Ganz ehrlich? Die Geburt unserer Tochter. Aber von dem Tag an, als wir die Hühner einstellten und den Betrieb aufnahmen, war ich nicht nur gedanklich sondern auch vom Gefühl ein Vollblut-Bio-Landwirt.

Redaktion: Was sind Deine Ziele?

Thomas: Ich möchte meine Tochter glücklich aufwachsen sehen. Meine Eltern helfen immer noch gerne mit, wenn Not am Mann ist. Ich habe nun nebenher auch die Unternehmerprüfung für das Schlossergewerbe erfolgreich abgeschlossen und 2017 starte ich mit meiner Ausbildung zum Geflügelmeister – in dieser Zeit muss natürlich der Opa ein bisserl öfter einspringen. (Anm.: Das freche Zwinkern Richtung Haider sen. bringt alle zum Lachen und zeigt, wie stark das Familienband hier ist.)

Thomas: Ich hoffe, wir erleben noch viele glückliche Jahre zusammen. Und weil es mir so viel Spaß macht ein Landwirt zu sein, möchte ich mit 60 lieber durch meinen  Hühnerstall gehen, statt täglich ins Büro. Mit Walter Iber und der Fa. Lugitsch hat sich über die Jahre eine sehr vertraute Partnerschaft entwickelt, die mich sehr positiv in die Zukunft blicken lässt. Und gesund bleiben, das ist das Wichtigste.

Redaktion: Und was sagt der Opa zu alledem?

Hr. Haider sen.: Meine Frau und ich sind sehr stolz auf unseren Sohn, freuen uns aber auch, mehr Zeit für die Enkelkinder zu haben und wenn Leben im Haus ist, dann ist es einfach schön.

 

Nach einer Führung durch den Betrieb, machen wir uns wieder auf den Heimweg und während der ganzen Heimfahrt wird mir eines immer bewusster: Wer Landwirtschaft lebt, der liebt das Land. Werte, Traditionen und deren Erhalt, wichtig für uns als Unternehmen und unsere Partner, wichtig für die Region und unerlässlich für eine lebenswerte Zukunft für Mensch und Tier!